Zahngeschichtliches

Geschichte der Zahnheilkunde, Auszug von Dr.Tavel


(Zeitschrift: ZAHNARZT Wirtschaft . Praxis 9/00)

Die Extraktionsinstrumente


Jahrhundertelang war das Entfernen von Zähnen fast die einzige Möglichkeit, den Patienten von quälenden Zahnschmerzen zu befreien. Länger dauerte es, bis sich der Berufsstand der akademisch ausgebildeten Zahnärzte konstituiert hatte.
Bader, Barbiere und Wundärzte, die mit einer "Spezialisierung" praktizierten, wurden "Zahnbrecher" oder "Zahnreisser" genannt. Das dabei verwendete Instrumentarium mutet heute schaurig an, und sein Einsatz hatte sicher nicht immer den erwünschten Erfolg.
Allerdings sollte man bei aller gebotenen Kritik nicht den historischen Raum ausser Acht lassen, in dem wir uns bei der Betrachtung überlieferter Originale bewegen. Überdies haben diese Handwerker, aus Erfahrungen lernend, immer wieder versucht, die Extraktionsinstrumente zu verbessern und ihre Anwendung zu verfeinern.



  • Abb.1: Bandhaken der Fassbinder, Pelikan und Zahnzange nach Guy de Chauliac
  • Abb.2: Wirkungsweise des Pelikans mit Abstützung an den Alveolarfortsatz (Quelle:Hofmann-Axthelm,W.:Die Geschichte der Zahnheilkunde.2.Aufl.,Berlin, Quintessenz,1985)
  • Abb.3: Extraktionsinstrumente (Quelle:Scultetus,J.:Wund-Artzneyisches Zeug-Hauss/übers. V.A.Megerlin,Frankfurt/M.,Gerlin,1779,Tab.10)

Pelikan


Das mittelalterliche Instrument Pelikan zählt zu den ersten Instrumenten zur Zahnextraktion und wurde bis ins beginnende 19.Jahrhundert angewandt. Frühe Hinweise darauf stammen von Guy de Chauliac(1300-1368). Er hatte dabei ein Werkzeug des Küfers (Fassbinder), den Bandhaken oder Fasszieher, vor Augen (Abb.1).
Der Name "Pelikan" wird auf seine Ähnlichkeit mit dem Pelikanschnabel zurückgeführt. Inwendig ist das Instrument wie ein Schnabel gestaltet, der an seinem oberen Teil einen Haken besitzt.
Eine Neuerung brachte Lorenz Heister (1683-1758) ein.
Eine Kralle wurde an einer verstellbaren Schraube angebracht, die durch den Griff betätigt wurde. Die Grösse der Kralle konnte so variieren, und es konnten - je nach Zahngrösse - drei verschiedene Krallen befestigt werden.
Der Zahn wird seitwärts mit viel Kraft herausgezwängt (Abb.2). Seine Handhabung verlangte vom "Zahnreisser" grosses Geschick. Oft blieben bei dem Eingriff aber der Zahnstumpf oder die Zahnwurzel zurück.

Zahnzangen


Als Extraktionsinstrumente findet man sie bereits in frühen Schriften wieder. Schon die Ärzte der griechischen Antike schrieben, dass die Zange nur eingeschränkt einzusetzen sei - der zu ziehende Zahn sollte bereits gelockert sein. In seinem "Armamentarium chirugicum" liess Johannes Scultetus zwei Zahnzangen abbilden (Abb.3):
eine "gemeine Zähn-Zang" (forceps dentium communis, ital.cagnolo - Hundegebiss) mit einer Schraube, die zur Druckregulierung diente und einen "Rappenschnabel" (Rabenschnabel), um Zahnstümpfe zu entfernen.

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